Isolation mit Armaflex

Die Isolation unseres Nils war ein Thema, womit wir uns im Vorfeld lange beschäftigt hatten. Es gibt da viele unterschiedliche Konzepte und noch mehr Meinungen und natürlich ist es auch eine Kostenfrage.

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Bei unseren Besuchen auf dem Caravan Salon in Düsseldorf, hatten wir uns auch angesehen, wie die Profis isolieren, soweit das möglich war. Dabei viel uns auf, dass diese teilweise gar nicht komplett isolieren. Auch ist bei diesen Kastenwagen fast immer keine Trennwand vorhanden und nach einer kalten Nacht, muss man morgens die Luftfeuchtigkeit als Kondensat im Führerhaus aufwischen.

Wir möchten mit Nils auch im Winter fahren, deshalb hatte die Isolation für uns einen hohen Stellenwert.


Der Laderaum eines Kastenwagens ist sehr stark zerklüftet und von vielen Holmen durchzogen.

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Zugänge zu den unteren Holmen/Schwellern hinter den schwarzen Dreiecken

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Außenlüftungen neben Radkästen und tief unten in den Ecksäulen

Diese Holme haben im unteren Bereich zur Belüftung und wohl auch zum Ablauf von eingetretenem Wasser, Öffnungen nach außen. Eine Lösung mit Mineralwolle und Dampfsperrfolie trauten wir uns nicht zu. Bei diesem Konzept wäre es, wie beim Hausbau, zwingend erforderlich, dass nirgendwo die feucht warme Innenraum Luft durch die Dampfsperrfolie an das kalte Metall kommt. Dabei könnte sich das Kondensat in der Mineralwolle sammeln und auf Dauer vergammeln oder schlimmstenfalls das Blech rosten. Auch hatten wir gelesen, dass die normale gelbe Mineralwolle durch die Vibrationen im Fahrzeug mit der Zeit nach unten sackt. Es gibt wohl auch formstabile Lösungen (siehe Flugzeugbau), das ist aber eine andere Preisklasse.
Ein anderes, viel besprochenes Thema, ist das Ausschäumen der Holme mit Bauschaum bzw. Brunnenschaum, der keine Feuchtigkeit zieht. Auch dazu gibt es sehr viele Meinungen.

Wir entschieden uns für die, heute unter Selbstausbauern verbreitete, Isolation mit Armaflex von der Firma Armacell. Armaflex ist ein geschlossenporiges Isolationsmaterial auf einer Kautschuk Basis. Da es geschlossenporig ist, ist es (fast) dampfdicht, also schon selbst die Dampfsperre. Hier muss man darauf achten, dass man die richtige Version kauft „Armaflex A/F“. Es gibt auch günstigere Varianten, speziell im Internet, die nicht unbedingt den deutschen Bauvorschriften entsprechen.
Mit einem Freund aus dem Bauwesen berieten wir uns über den Aufbau der Isolation und speziell auch zum Thema Holme. Wir entschieden uns dafür, die Belüftung der Holme nicht zu stören, sondern zu erhalten. Sollte sich einmal Feuchtigkeit darin sammeln, woher auch immer, kann es auch wie vorgesehen ablüften oder nach unten ablaufen. Im unteren Bereich haben wir einige der schwarzen dreieckigen Kunststoff Abdeckungen  raus genommen. Hier könnten wir später vielleicht die Isolation öffnen und die Holme kontrollieren. Zusätzlich werden wir unten noch eine Hohlraumkonservierung einbringen.
Außen am Fahrzeug gibt es den grauen Rammschutz. Diese Kunststoffteile sind mit Klipsen direkt durch das Blech gesteckt. Durch diese Klipse kann von außen etwas  Wasser in das Fahrzeug eindringen, was man auch mit Zukleben nicht komplett verhindern kann. Hier sollte man das Armaflex so kleben, dass das Wasser nicht eingeschlossen wird, sondern besser nach unten in die Schweller und dann nach außen laufen kann.
Bei uns waren die Klipse alle genau in den Holmen, also kein Problem.

Links und rechts hinter den Radkästen befinden sich zwei Lüftungen direkt in den Innenraum, die außen hinter den grauen Kunststoffteilen enden. Diese werden wohl benötigt, weil man bei einem Luftdichten Aufbau die Türen nicht richtig schließen könnte. Wir werden die Lüftungsgitter erhalten und in unser Lüftungskonzept einbinden, dazu wird es aber einen eigenen Bericht geben. Zwei weitere solche Lüftungen haben wir tief in den hinteren Türsäulen gefunden, diese bleiben zur Belüftung der Holme erhalten.
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Da das Armaflex nicht in einem Stück geklebt werden kann,  machten wir mindestens zwei Lagen und überdeckten die Nähte der ersten mit der nächsten Schicht. Auch an schlecht zugänglichen Stellen musste mindestens eine dünne Schicht vorhanden sein, da sich am blanken Metall sofort Feuchtigkeit sammelt, wie wir bei den Arbeiten im Winter mehrfach beobachten konnten.

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Komplizierte Isolation über dem Fahrerhaus

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Lüftung rechts neben dem Radkasten

Material: Armaflex 19 mm  (6 Rollen á 6qm) und 6 mm (1 Rolle, á 15qm) selbstklebend

Dampfsperrband: Klebeband 60mm  (3 Rollen á 25m)

Werkzeuge: Schere, Schneiderkreide, Metallschiene, Zollstock, Maßband und Tapetennroller

Verarbeitung:    Armaflex lässt sich sehr gut verarbeiten. Auf der schwarzen Seite mit Schneiderkreide anzeichnen. Beim Schneiden das Messer so flach wie möglich halten, so gibt es einen sauberen Schnitt. Das fertig geschnittene Stück zur Sicherheit noch einmal anhalten.
Als nächstes in einer Ecke die Klebefolie ein kleines Stück abziehen und an die richtige Stelle fest kleben. Achtung: Armaflex kann nicht wieder abgezogen werden.  Es klebt sofort, auch wo man nicht möchte. Wenn man es dann abzieht, reist die Klebeschicht ab.
Nun Stückchen für Stückchen die Folie abziehen und die Isolation fest andrücken. Darauf achten, dass keine Luftblasen entstehen. Zum Schluss nochmals mit einem Tapetenroller andrücken. Bei der zweiten Lage genauso vorgehen und dabei jeweils die Nähte der ersten Schicht überlappen. Abschließend die letzten Nähte mit einem Dampfsperr Klebeband schließen. Das verhindert an schwierigen Stellen das Eindringen von feuchter Luft, sichert aber auch zusätzlich das Armaflex. Speziell das dicke 19er kann sich, wenn man es eine Ecke herum klebt, auch wieder lösen.

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Radkasten fertig isoliert

Unsere Arbeiten an der Isolation könnt ihr euch auch in einem YouTube Video ansehen.
Wenn es euch gefällt, gebt uns einen Daumen hoch und am besten gleich den Kanal abonnieren.

Wir übernehmen keinerlei Garantie für die Richtigkeit unsere Angaben. Alles sollte durch einen Fachmann ausgeführt werden!

Solltet ihr Fragen haben, hinterlasst uns einen Kommentar, wir werden schnellstmöglich Antworten. Wenn euch der Bericht gefallen hat, freuen wir uns riesig über ein Like. Um nichts zu verpassen folgt uns auf Nils Campervan.

Bis zum nächsten Mal

Nils Campervan Team

20 Gedanken zu „Isolation mit Armaflex

  1. Es geht voran mit eurem Nils, das freut mich! Da waren bestimmt einige Überlegungen nötig wegen der Isolation, das ist doch, gerade eben, wenn man auch im Winter fahren möchte, schon sehr wichtig. Habt ihr aber wohl echt gut gelöst!
    Weiterhin viel Erfolg und liebe Grüße
    Monika und Mimi.

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    • Vielen lieben Dank! Jetzt mussten wir wieder pausieren. Uns hatte die Grippe erwischt und nun liegt Schnee. Nächste Woche geht es bestimmt weiter. 😀LG und ein schönes Wochenende. Ralf , Daniela und Jule

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      • Ach, herrjeh, willkommen im Club, ich lieg auch schon seit knapp einer Woche platt. Schnee gab es gestern auch nochmal. Ich wünsche euch von Herzen gute Besserung und dann endlich mal beginnenden Frühling, damit es wieder weiter gehen kann, alles Liebe für euch und liebe Grüße
        Monika.

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  8. Hallo, ich bin gerade bei der Recherche für unseren Camper-Ausbau auf euren Blog gestoßen, tolle Doku!
    Habt ihr die Holme bei der Isolierung komplett ausgespart, oder in bestimmten Bereichen Armaflex dahinter geschoben? Wie sind eure Erfahrungen damit? Und seid ihr mit der Menge an Material gut hingekommen?
    Viele Grüße und viel Spaß beim Campen!
    Johanna

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    • Hallo,
      vielen lieben Dank und Entschuldigung, für die späte Antwort!
      Wir haben nichts in die Holme oder dahinter geschoben, sondern nur komplett abgedeckt.
      Man muss sich unsere Isolierung vorstellen, wie einen großen Luftballon, den man im Fahrzeug aufgeblasen hat.
      Für die Isolierung würde es wenig bringen, etwas in die Holme zu schieben, da ja das Metall selbst, die Wärme/Kälte um den Holm leitet. Eine Luftzirkulation in den Holmen verhindert, dass irgendwo Kondens- oder anderes eingedrungenes Wasser länger stehen bleibt. Wir haben zweimal Armaflex nachbestellt, bis alles zu war. In Wintercamping und Kondensat im Campervan berichten wir von unseren Erfahrungen mit der Isolation.
      Viele liebe Grüße
      Ralf

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  9. Hallo,
    habt ihr vielleicht Bilder , wie ihr bei den Holmen mit der Dämmung gearbeitet habt ?
    Dürfte ich euch mal kontaktiern. Ich habe bald ein ähnliches Projekt und möchte Fehler vermeiden.
    Liebe Grüße vom Ammersee
    Rasso Feistle

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    • Hi,
      wir haben erst zwischen den Holmen Armaflex geklebt, wie im Video und auf den Bildern zu sehen, und dann dünneres Armaflex überlappend über die Holme. Den Vorgang selbst haben wir tatsächlich nicht als Foto, nur das Ergebnis. Das sieht man auf einigen Bildern der folgenden Beiträge. Bist du vielleicht bei Instagram? Das können wir sehr empfehlen, da tummelt sich die #Vanlife und #Vanconversion Community. Da kannst du uns auch unter @jule_wandert erreichen und wir können per DirektMessage chatten.
      Ansonsten natürlich gerne per EMail (siehe Impressum).
      Liebe Grüße
      Ralf

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  10. Hi, ich bin so froh, dass ich Eure Seite gefunden habe! Ihr beschreibt es tatsächlich am besten von allen, und dazu macht es auch den professionellsten Eindruck 😉 Wenn ich darf, würde ich gern zwei Fragen zur Isolierung stellen. Zum einen würde mich sehr interessieren, ob Ihr die Wände in eurem Bus irgendwie vorbehandelt habt – also außer putzen natürlich. Und die zweite Frage betrifft das verwendete Material: Ich habe häufig gelesen, dass vor der Dämmung mit Armaflex sogenanntes ABX (https://www.amazon.de/Reckhorn-Alubutyl-D%C3%A4mmmaterial-Rollen-SPARPAKET/dp/B017UG50PG/) verwendet wurde, damit das Fahrzeug später noch leiser ist. Habt Ihr das in Erwägung gezogen oder bewusst dagegen entschieden? Tausend Dank vorab und weiterhin alles Gute für Eure Fahrten und den Ausbau!

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    • Hallo Gordon,
      vielen lieben Dank für das Lob😊
      Die Flächen müssen Staub- und Fettfrei sein, mehr haben wir nicht behandelt. Armaflex klebt auch besser als einem lieb ist.

      Alubutyl hilft nur gegen die Schwingungen von Blech, meist reicht ein kleiner Aufkleber um die großen Bleche leiser zu bekommen.
      Armaflex auf dem Blech wirkt neben der Isolation auch als Schwingungsdämpfer und es rappelt bei der Fahrt auch nicht mehr. Alubutyl braucht man also nicht zusätzlich zum Armaflex.

      Für uns war das Thema aber auch nicht so wichtig, da wir die Trennwand noch im Fahrzeug haben und während der Fahrt nicht hören, ob es hinten laut ist.

      Liebe Grüße!

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  11. Hallo Nils,
    habt ihr für den Winter Armaflex an irgendwelchen Stellen doppelt oder verstärkt verklebt? Oder reicht die 19 mm Schicht auch bei – Temperaturen bei entsprechender Heizung aus?

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    • Hallo,
      wir haben an den meisten großen Stellen 19mm verklebt, an teilen der Decke auch doppelt.
      Da wir aber alle Nähte und alle komplizierte Stellen nochmal mit einer 6mm Lage überklebt haben, sind viele Bereiche stärker als 19mm.
      Wichtiger ist es aber alles luftdicht zu verschliessen, d.h. es dürfen nirgendwo Nähte oder Löcher zu den Holmen auf sein.
      Zur Sicherheit, da die Nähte bei Sommerhitze auch aufgehen können, haben wir alles wie im Blog beschrieben mit Dampfsperrband überklebt.
      Schau auch mal unseren Artikel zum Kondensat im Camper, da findest du weitere Hinweise.

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